Mobile Arbeit sicher und gesundheitsgerecht gestalten

Ralph Klein, pixabay
von Martin Templer und Philip Ashton zuletzt geändert: 2019-12-17T14:46:05+02:00
Mitwirkende: Sebastian Riebe
Die zunehmende digitale Transformation und Flexibilisierung der Arbeit und auch die E-Mobilität gewinnen für Unternehmen an Bedeutung. Und in diesem Zuge rückt das Thema Mobilität und damit auch die sichere und gesundheitsgerechte Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen in den Fokus. Dieser Beitrag soll aufzeigen, was bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen ist, welche Gestaltungsmöglichkeiten Arbeitgeber/innen haben und inwieweit Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte/innen bei dem Thema unterstützen können.

Steigende Relevanz für die betriebliche Praxis

Eine Vielzahl an Beschäftigten verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit im öffentlichen und nicht öffentlichen Verkehr, um Dienstwege im Auftrag ihres Arbeitgebers zurückzulegen. Die Mobilität während der Arbeitstätigkeit kann auch als berufsbedingte Mobilität bezeichnet werden. Sie lässt sich in drei wesentliche Felder unterteilen:

  • Mobilität als Haupttätigkeit: Beschäftigte, deren Hauptarbeitsaufgabe das Fahren, Steuern, Fliegen selbst ist (z.B. Berufskraftfahrer, Busfahrer, Piloten usw.)
  • Mobilität als Nebentätigkeit: Beschäftigte, die sich zu externen Einsatzorten begeben, um ihre Arbeitsaufgabe vor Ort ausführen zu können (z.B. Beschäftigte im Vertrieb, im technischen Service, in der ambulanten Pflege, im Rettungsdienst, usw.)
  • Arbeiten während der Verkehrsteilnahme: Beschäftigte, die unterwegs arbeiten (z.B. im Zug, im Flugzeug, bei Zwischenstopps im Café usw.)

 Im folgenden Beitrag liegt der Fokus auf der „Mobilität als Nebentätigkeit“, die bislang im betrieblichen Kontext und vor allem im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen selten berücksichtigt wird. Die Mobilität als Nebentätigkeit zeichnet sich durch Tätigkeiten an ständig wechselnden Orten aus, zu denen die Beschäftigten gelangen müssen. Der Ort der Arbeitstätigkeit selbst ist dabei weder beweglich, noch mobil.  Trotzdem variieren die Arbeitsorte und die Aufenthaltsdauer – je nach zu erfüllendem Auftrag (Cohen, 2010).

Mit einem höheren Anteil an Mobilität steigt auch die Exposition im Straßenverkehr. Dies spiegelt sich in den Unfallzahlen wider. In 2017 lag in Deutschland der Anteil der Dienstwegeunfälle (im Straßenverkehr) bei 0,9 % aller meldepflichtigen Unfälle (DGUV, 2018).

Dies erscheint auf den ersten Blick zwar marginal, doch ist die Unfallrate mit Blick auf die Jahre 2015 und 2016 auf einem recht konstanten Level geblieben. Und mit 42 Unfalltoten und 296 neuen Unfallrenten in 2017 (39 und 345 in 2016) ist jeder Unfall einer zu viel. Umso wichtiger ist es, sinnvolle Ansätze für die sichere und gesunde Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen für die Praxis zu entwickeln.

Neben den Dienstwegen sind aus Arbeitschutzsicht im Rahmen der Mobilität auch der innerbetriebliche Transport und Verkehr, d.h.  alle Vorgänge der Ortsveränderung von Gütern und Personen innerhalb des Betriebsgeländes, sowie die Wege von und zur Arbeit (tägliches und wöchentliches Pendeln) von wesentlicher Bedeutung. Innerbetrieblicher Verkehr und Pendeln werden im Rahmen dieses Beitrags nicht berücksichtigt.  

Wechselnde Anforderungen für mobil Beschäftigte

Die Tätigkeiten, die mobil Beschäftigte ausüben, sind sehr vielfältig. Hierzu zählen z.B. die Reparatur oder Instandhaltung von Geräten, Maschinen oder Anlagen, die Montage neuer Anlagen, die Erbringung von pflegerischen Dienstleistungen im Gesundheitsbereich oder auch die Beratung von Unternehmen. Trotz der Vielfalt gibt es bestimmte Anforderungen, die auf einen Großteil der mobil Beschäftigten gleichermaßen zutreffen. Es ist schon länger bekannt, dass knapp 40 % dieser Beschäftigten die Tatsache, an häufig wechselnden Arbeitsorten tätig zu sein, als belastend empfinden. Die Intensität der berufsbedingten Mobilität spielt dabei eine bedeutende Rolle. Mit zunehmender Häufigkeit der Mobilitätserfordernisse nimmt die subjektiv empfundene Belastung unter den Befragten deutlich zu (DGB, 2007). Ein Grund hierfür liegt darin, dass die Belastungen aus der Mobilität zu den Anforderungen der eigentlichen Tätigkeit hinzukommen und damit die Belastungssituation verstärken (Breisig und Kollegen, 2017). Die mit der Mobilität häufig verbundene Einzelarbeit eröffnet den Beschäftigten  Entscheidungsspielräume bei der Organisation und Durchführung ihrer Aufgaben, was grundsätzlich die eigene Gesundheit und Zufriedenheit bei der Arbeit fördert. Die Einzelarbeit geht jedoch auch mit einer geringeren Verbundenheit zum Unternehmen und wenig persönlichem Kontakt einher, was wiederum die Gesundheit und Zufriedenheit beeinträchtigt (Hupfeld und Kollegen, 2013). Auch mobilitätsspezifische Aspekte (u.a. hohes Verkehrsaufkommen, verkehrsbedingt wenig planbare Arbeitseinsätze), können in Kombination mit starkem Zeitdruck negativ auf das Beanspruchungserleben der Beschäftigten wirken. Die Beschäftigten zeigen in diesem Zusammenhang häufig körperliche und psychische Beanspruchungsfolgen (Muskel-Skelett-Erkrankungen und Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich treten besonders häufig aufgrund der unzureichenden Ergonomie der Verkehrsmittel auf). Schlafprobleme, Erschöpfung und Burn-out, depressive Verstimmungen sowie reduziertes Wohlbefinden und Beeinträchtigungen in der Lebens- und Arbeitszufriedenheit sind weitere Beanspruchungsfolgen dieser Gruppe von mobil Beschäftigten (Ducki & Ngyen, 2016; WIdO, 2018).

Beurteilung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen – nicht nur vor Ort beim Kunden

Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit aller Beschäftigter. Das gilt auch für mobil Beschäftigte. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Forderung, dass geeignete Maßnahmen zu Sicherheit und Gesundheit bei allen Tätigkeiten durchgeführt werden (§ 3 ArbSchG). Der Blick des Arbeitgebers muss also in diesem Fall über die eigenen betrieblichen Grenzen hinaus auch auf den Verkehr bzw. die Bedingungen vor Ort beim Kunden oder Patienten gerichtet werden.

Das setzt voraus, dass neben technischen und organisatorischen Aspekten auch der Einfluss der Umwelt auf den Arbeitsplatz sachgerecht miteinander verknüpft werden (§ 4 ArbSchG). Doch wie kommt man zu spezifischen Maßnahmen im Rahmen der berufsbedingten Mobilität? Die Grundlage sollte immer die Beurteilung der Arbeitsbedingungen sein (§ 5 ArbSchG). Zusätzlich zu den klassischen Einwirkungen (z. B. physikalisch, mechanisch, physisch) sollten bei der Mobilität insbesondere folgende Einwirkungen berücksichtigt werden:

  • Arbeitsabläufe und Arbeitszeit sowie deren Zusammenwirken
  • soziale Beziehungen (z. B. Führungsverhalten, Kundenkontakte),
  • die Auswahl und der Einsatz von Arbeitsmitteln und Maschinen bzw. Anlagen(z.B. Ausstattung von Dienstfahrzeugen)

Sobald es über die eigenen betrieblichen Gegebenheiten hinaus geht, haben Arbeitgeber jedoch Schwierigkeiten, alle Einflüsse der Umwelt zu erfassen, vor allem im Verkehr und beim Kunden bzw. am Einsatzort. Auch hier hat der Gesetzgeber mit dem § 8 ArbSchG eine Grundlage geschaffen. Arbeiten Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber/innen an einem fremden Arbeitsplatz zusammen, so sind die Arbeitgeber/innen angehalten, bei Sicherheits- und Gesundheitsschutzbestimmungen zusammenzuarbeiten. Dies bezieht sich sowohl auf die mit den Arbeiten verbundenen Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten als auch auf gemeinsame Maßnahmen zur Verhütung dieser Gefahren.

Für Arbeitgeber/innen bedeutet dies übersetzt: das betriebliche Handeln sollte nicht nur die eigentlichen Haupttätigkeiten beim Kunden bzw. am Einsatzort von mobil Beschäftigten im Blick haben. Auch die vorbereitenden Tätigkeiten im eigenen Unternehmen sowie die Fahrtätigkeit in Form von Dienstwegen müssen im Rahmen der berufsbedingten Mobilität fester Bestandteil der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sein. Hier wird die Relevanz der betriebsübergreifenden Bewertung von Unfall- und Gesundheitsrisiken, Möglichkeiten einer physischen oder psychischen Fehlbeanspruchung und auch der gesundheitlichen Ressourcen bei mobil Beschäftigten deutlich. Häufig umfasst das Tätigkeitsfeld dieser Beschäftigten vorbereitende Aufgaben im Unternehmen (Disposition, Routenplanung, Absprachen mit Kunden usw.), die Nutzung von Verkehrsmitteln und schließlich die eigentliche Dienstleistung beim Kunden bzw. am Einsatzort. Hierbei fallen nicht nur jeweils unterschiedliche Tätigkeiten in den drei Bereichen „eigenes Unternehmen“, „Verkehr“ und „Kunde bzw. Einsatzort“ an, sondern die Beschäftigten sind auch ganz unterschiedlichen Einflussgrößen ausgesetzt (Beispiele in Abbildung 1).

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Abbildung 1: Einflussgrößen auf mobil Beschäftigte

Was bedeutet dies nun für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen? In Anlehnung an § 5 ArbSchG sollten die drei Bereiche im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen Berücksichtigung finden. Dabei ist es wichtig, alle Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Tätigkeiten im Unternehmen, Verkehr und Kunden/Einsatzort zu erfassen, die sich gegenseitig beeinflussen bzw. verstärken können. Stressige Situationen beim Kunden bzw. am Einsatzort oder im Unternehmen können beispielsweise in den oft hektischen Verkehr mitgenommen werden. Das bedeutet: Die Quelle der Belastung kann zwar im Unternehmen oder beim Kunden/Einsatzort liegen, sie macht sich in der Regel aber erst im Verkehr bemerkbar (z. B. in Form einer hektischen Fahrweise, nervöser Anspannung oder psychosomatischen Reaktionen wie Herzklopfen und Magenbeschwerden).

Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die zusammenfassende Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend (§ 5 ArbSchG). Für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen von mobil Beschäftigten sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten. Zwar kann dieselbe Tätigkeit beim Kunden bzw. am Einsatzort ausgeübt werden und die Tätigkeiten daher zunächst gleichartig erscheinen. Die Bedingungen im Verkehr können allerdings sehr unterschiedlich sein, je nachdem ob Standorte z. B. im ländlichen Gebiet oder städtischem Bereich betreut werden.

Viele Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmen

Unter Betrieben herrscht immer wieder die Auffassung, dass sie bei der sicheren und gesundheitsgerechten Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen kaum Einflussmöglichkeiten haben, da die Dienstwege über die eigenen betrieblichen Gegebenheiten hinaus gehen. Allerdings kann ausgehend von den Ergebnissen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen in den Gestaltungsfeldern Technik, Organisation und Personal nach geeigneten Lösungen gesucht werden. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e.V. (2018) hat hierzu eine Vielzahl an möglichen Maßnahmenansätzen in den drei Gestaltungsfeldern Technik, Organisation und Personal zusammengetragen:

 

Technik

Organisation

Personal

Dienstwege

Ausstattung der Fahrzeuge mit sinnvollen Fahrerassistenzsystemen, z.B. mit Verkehrszeichenerkennung, Spurwechsel- und Notbremsassistenten

Nutzungsvereinbarungen für Dienstfahrzeuge abschließen

Sicherheitstraining für Nutzer von Dienstfahrzeugen (Pkw, Transporter und Lkw),

Grenzen der FAS kennen und akzeptieren (Risikokompensation)

Abbiegeassistent für Lkw

Prüfung der Fahrzeuge durch sachkundige Personen

Eco Safety Training

Normgerechtigkeit der Fahrzeuge überprüfen

Betriebsanweisung zur Bedienung und sicheren Nutzung von Telefonen und Navigationssystemen

Simulator-Training

Ausstattung der Fahrzeuge mit ausreichender Anzahl an Warnwesten

Betriebsanweisung zur Einhaltung von Verkehrsregeln, insbesondere Geschwindigkeitsbegrenzungen

Nutzer von Dienstwagen regelmäßig unterweisen

Unfalldatenschreiber einbauen

Praxisgerechte Dispositionen, Anweisung für Verhalten bei Verspätung

Unterweisung mit interaktiven Lernprogrammen

Einbau von Alkohol-Interlocks

Sicherstellen der regelmäßigen Wartung der Dienstfahrzeuge

Informationen über Gefahrenvermeidung durch Plakate oder Aushang

 

Einrichtung von Fahrerbesprechungen und anderer Feedback-Systeme

Gespräche mit Beschäftigten bei Bußgeld oder Unfällen

 

Null-Promille-Regelung für Nutzer von Dienstfahrzeugen

Sammlung von Verbesserungsvorschlägen zur Betrieblichen Verkehrssicherheit

 

 

Führungskräfte haben entscheidenden Einfluss bei der sicheren und gesundheitsgerechten Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen

Führungskräfte sollten für die Relevanz des Themas der berufsbedingten Mobilität sensibilisiert werden. Aufgrund ihrer Nähe zu den Beschäftigten und Verantwortung für deren Tätigkeitsfelder sind Führungskräfte häufig an der Beurteilung der Arbeitsbedingungen beteiligt, sodass sie auch zukünftig die Mobilität in die bestehende Beurteilung der Arbeitsbedingungen integrieren können. Allen Beteiligten muss dabei deutlich werden, dass die alleinige Bewertung der eigentlichen Haupttätigkeit beim Kunden bzw. am Einsatzort von mobil Beschäftigten zu kurz greift und wichtige Aspekte vernachlässigt.

Führungskräfte können durch ihr Handeln die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten in erheblichem Maße positiv beeinflussen und gestalten. Aus diesem Grund sollten Führungskräfte neben dem Blick auf die Aufgaben und Inhalte, die die Beschäftigten ausführen, stets die Rahmenbedingungen der Aufgaben mitdenken und immer hinterfragen. Was zeitgemäße Führungskompetenzen generell sein können, lesen Sie in folgendem Beitrag: https://sifa-community.de/praxisthemen/zeitgemaesse-fuehrungskompetenzen-zu-sicherheit-und-gesundheit-bei-der-arbeit-und-darueber-hinaus.

Bei mobil Beschäftigten stellt sich insbesondere die Frage nach den Arbeitsbedingungen im Unternehmen sowie beim Kunden vor Ort bzw. am Einsatzort und unter welchen Bedingungen der Dienstweg dorthin genommen wird. Um eine solide Entscheidungsgrundlage für mögliche Maßnahmen im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen treffen zu können, empfiehlt es sich für Führungskräfte, ihre Beschäftigten zu den Arbeitsbedingungen im Unternehmen, im Verkehr und beim Kunden bzw. am Einsatzort befragen. Dies muss nicht in einer schriftlichen Mitarbeiterbefragung enden. Hier bietet sich der persönliche Kontakt an, z. B. im Rahmen von regelmäßigen Teambesprechungen.

Unterstützungsleistung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärztinnen und -ärzte

Im Rahmen der sicheren und gesundheitsgerechten Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen können Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt/-ärztin gemeinsam unterstützen und beraten, indem Sie für das Thema bei Arbeitgeber und Arbeitgeberin werben, bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sowie der Integration in die betriebliche Organisation unterstützen, die betrieblichen Akteure bei der Arbeitssystemgestaltung begleiten und die Beschäftigten im Rahmen von Sicherheitsgesprächen, Aktionen oder Info-Veranstaltungen für das Thema sensibilisieren und informieren. Gerade bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen können die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der/die Betriebsarzt/-ärztin bei der Analyse und Bewertung von Gefährdungen und Belastungen bei der Mobilität mit verschiedenen Analyseinstrumenten, z.B. Onlineinstrument zur Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung organisationaler Mobilität (GUROM), Arbeitssystemanalyse oder Arbeitstagebuch, unterstützen.  Beispielhafte Analyseinstrumente sind in der unteren Tabelle genauer beschrieben.

Verfahren

Erläuterung

Online Instrument zur Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung organisationaler Mobilität (GUROM)

Inhalt:

·         kostenloses, anonymes und onlinebasiertes Instrument zur Gefährdungsbeurteilung mit dem Fokus auf berufsbedingte Mobilität nach dem T-O-P-Modell

·         adaptives Vorgehen durch modularen Aufbau und zielgruppenspezifische Auswahl von Fragen

Beteiligte:

·         mobil Beschäftigte schätzen die Gefährdungen und Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, selbst ein

 Vorteil:

·         ganzheitlicher Ansatz: Gefährdungsbeurteilung, Risikobewertung, Maßnahmenableitung (Vorschläge)

·         Ergebnisrückmeldung getrennt für Unternehmer, Beschäftigten aber auch bereichsbezogen

·         branchenbezogenes Benchmarking

·         kostenloses Onlineinstrument zur Befragung großer Stichproben

Arbeitssystemanalyse

Inhalt:

·         tätigkeitsbezogene und systematische Erfassung von Belastungen bzw. Gefährdungen orientiert an den Arbeitssystemelementen

·         zusätzliche Unterteilung nach den drei Bereichen Betrieb, Verkehr und Kunde bzw. Einsatzort, um möglichst alle Bedingungen zu erfassen.

 Beteiligte:

·         Führungskräfte, Arbeitsschutzakteure, wie z.B. Sifa und SiBe und ggf. ausgewählte Beschäftigte

 Vorteil:

·         Umfassende Erfassung von Belastungen

·         Strukturierte Erarbeitung von Ergebnissen in Kleingruppen (max. 4-6 Teilnehmer)

·         Gemeinsames Ergebnis, das von allen Teilnehmern getragen wird

Arbeitstagebuch

Inhalt:

·         Anonymes, beteiligungsorientiertes Instrument zur subjektiven Beurteilung der Mobilität und Verkehrsteilnahme

·         Abfrage von z.B.:

o   Befindlichkeit zu unterschiedlichen Zeitpunkten während einer Schicht / eines Arbeitstages / Arbeitswoche (z.B. zu Beginn und vor dem Feierabend)

o   besonderen Ereignissen (u.a. Verkehrssituation; Verkehrskollision; soziale Konflikte)

o   allgemeinem Gesundheitszustand (physisch und psychisch)

 Beteiligte:

·         mobil Beschäftigte

 Vorteil:

·         subjektive und tagesbezogene Beurteilung der Mobilität und Verkehrsteilnahme

·         genaue Auskunft über die Häufigkeit und Intensität der Belastungen und Gefährdungen ohne Gedächtnisverzerrung (z.B. Anzahl der Anrufe, Pausenlänge, Staulänge…)

 

Fazit

Dienstwege sind kein neues Phänomen im betrieblichen Alltag. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden digitalen Transformation, Flexibilisierung der Arbeit und auch von E-Mobilität ist die sichere und gesundheitsgerechte Gestaltung von Tätigkeiten mit Mobilitätsanteilen umso wichtiger geworden. Führungskräfte sind hier die wesentliche Zielgruppe, um das Thema Mobilität im Unternehmen zu verbreiten. In der Praxis sollten die Tätigkeiten im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden, die sowohl im Unternehmen als auch im Verkehr und beim Kunden bzw. am Einsatzort anfallen. Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind hier gemeinsam mit dem/die Betriebsarzt/-ärztin wichtige Partner, die fachkundig beraten und unterstützen.

Unternehmer, Führungskräfte, Beschäftigte und Fachexperten im Arbeitsschutz sind nun gefordert,  die Arbeitsbedingungen im Betrieb im Hinblick auf die berufsbedingte Mobilität optimal zu gestalten. Wie positioniert sich Ihr Betrieb zu diesem Thema?

  

Quellen und Literaturangaben

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR; 2017): Immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Home/Topthemen/2017-pendeln.html

Ducki, A., Nguyen, H. T. (2016): Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Mobilität. 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Statistik – Arbeitsunfallgeschehen 2018.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (2018): Handbuch „Systematische Verkehrssicherheitsarbeit“. (Online-Zugriff am 12.12.2019: https://www.dvr.de/praevention/praevention-systematisch-planen/)

Breisig, T., Grzech-Sukalo, H., Vogl, G. (2017): Mobile Arbeit gesund gestalten – Trendergebnisse aus dem Forschungsprojekt prentimo  – präventionsorientierte Gestaltung mobiler Arbeit. Oldenburg.

Hupfeld, J., Brodersen, S., Regina Herdegen (2013): Arbeitsbedingte räumliche Mobilität und Gesundheit. Iga-Report 25. Berlin, Essen.

Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO; 2018): Fernpendeln belastet die Psyche. G+G Wissenschaft. Heft 2/2018. Berlin.